Surfen & Co in Portugal

Da war er: dieser eine Moment! Für einen Bruchteil einer Sekunde. Und er hat sich so richtig ins Hirn „gebrannt“. Sitzt da drin. Wahrscheinlich, ja hoffentlich für immer. Was da in Millisekunden alles passiert, welche Gefühle, Empfindungen und Eindrücke einprasseln: fast unmöglich zu beschreiben. Das muss man erlebt haben. Wie es dazu kam, das ist eine längere Geschichte. Aber die möchte ich dir nicht vorenthalten: Einfach Surfen & Co in Portugal.

 

Bewusst hatte ich keine Reiseberichte gelesen. Ich wollte mich Portugal soweit möglich ohne Vorurteile nähern. Dafür hatte ich Ziele: Surfen gehen, dabei meine nahezu noch nicht vorhanden Skills verbessern und mich frei fühlen. Ja ein wenig den Kopf frei bekommen, auch Urlaub zu machen. Nur kurz die Anreise gecheckt und dann hinein ins fast Unbekannte … Portugal!

1. Tag, Anreise (6. November)

Die Anreise nach Lissabon ist einfach: natürlich per Flugzeug. Zu viert wollen wir den Trip ins Naturschutzgebiet Sintra-Cascais wagen. Wir, das sind meine Frau und ich und zwei ihrer liebsten Freundinnen. Alle unkompliziert, alle erfahrene Aktivurlauber. Nach gut drei Stunden Flugzeit am Flughafen in Lissabon angekommen, holen wir unseren Mietwagen ab. 35 Minuten sind später sind wir in unserem Ziel, in „The Lodge“ angekommen.

Mit gemischten Gefühlen läuten wir am Tor, denn wider Erwarten ist das Wetter etwas kühler als erhofft. Wir haben so ca. 17 ° C Außentemperatur. Nicht ungewöhnlich für Portugal in diesem Monat, aber auch nicht immer so. Oft kann das Thermometer im Oktober und Anfang November noch auf 30 °C klettern. Dafür sind wir aber leider zwei Wochen zu spät. Ralph öffnet das Tor und begrüßte uns. Ralph ist der sehr freundliche Leiter von The Lodge. Er lebt schon viele Jahre in Portugal, ist aber in Deutschland aufgewachsen. Und klar: Er ist passionierter Surfer und Sportler. Von The Lodge sind wir allesamt gleich hellauf begeistert: Ein großes Anwesen einer typischen Villa wurde hier 2014 mit viel Herrzblut zu einem einzigartigen Outdoor-Camp umgebaut. Alles ist neu. Mit viel Liebe zum Detail und vorrangig natürlichen Materialien sind die Zimmer eingerichtet und sehen sehr stylisch aus. Alles sehr sauber und gepflegt, wir fühlen uns sofort wohl und in Urlaubsstimmung. Meine Frau findet eine Flasche guten Rotwein aus der Region im Zimmer als Willkommensgruß, perfekt fürs spätere Chillen auf der zimmereigenen, gemütlichen Terrasse.

Weiter zum „Anwesen“: sehr viel und sehr gepflegte Grünfläche, eine Bogenschießanlage, ein großer Pool zum Chillen, ein eigener Platz zum Boule-spielen, eine cooler Yoga Pavilllion mit dem ein oder anderen Fitness-Equipment, ein großer Grillplatz zur freien Benutzung und eine ganz neue Gemeinschaftsküche. Man kann sich jederzeit seine eigenen Lebensmittel günstig im Supermarkt holen und hier selbst kochen. Einzige Voraussetzung: die Küche so sauber wie vorhanden auch wieder verlassen. Das fühlt sich schon sehr frei und unabhängig an. In der Chill-out Lounge besprechen wir noch das Wichtigste mit Ralph: am nächsten Tag wollen wir gleich zum Surfen gehen, wir haben ja nur ein paar Tage Zeit. Die Wellen sollen gut sein und ein halbtägiger Kurs mit Guide und Material ist bereits organisiert. Der Morgen konnte jedenfalls mit Surfen beginnen.

Unterkunft Palme

2. Tag, Surfen in Cascais (7. November)

Top-ausgeschlafen frühstücken wir gleich um 08:00 Uhr morgens. Das Frühstück ist echt lecker. Man merkt, dass Ralph viel Wert auf regionale Produkte legt. Die Qualität und der Geschmack allerhöchste Sahne. Frisch, gesund und reichlich. Ein kleiner Tipp für alle Kaffeetrinker: Wir hatten so gut wie noch nie in einer Unterkunft so einen guten Kaffee bekommen. Sehr praktisch: Nach dem Frühstück darf man sich ein Lunchpaket mit isotonischem Getränk zubereiten. Das reicht bis zum Abend allemal!

Nur mit unseren Badesachen und dem Lunchpaket ausgestattet sind wir pünktlich am Tor von The Lodge und bereit für unsere ersten Surfversuche. Zur großen Freude wartet bereits unser typisches Surfmobil samt Surflehrer. Aufgrund der Wetterbedingungen fahren wir auch ein Stück zu unserem angepeilten Strand. Dazu muss man wissen, dass es beim Surfen ganz normal ist, nicht einfach an einer beliebigen Stelle ins Wasser zu gehen und los zu starten. Ein guter Surftag beginnt mit einer guten Vorbereitung: Gezeiten und Wind müssen beachtet werden. Uns stört die Fahrt nicht im Geringsten, ganz im Gegenteil. Wir fahren durch dichte Wälder, vorbei an rauhen Steilklippen. Das Naturschutzgebiet um Sintra ist jedenfalls atemberaubend, gleicht mehr einem Regenwald und ist grün, grün und nochmals grün. Wir kommen aus dem Staunen nicht heraus. Nur die hohen Wellen lenken unsere Aufmerksamkeit etwas ab.

Nach einer gut halbstündigen Fahrt geht`s an den Strand. Wir bekommen jeder ein Surfbrett, Neoprenanzug und Lycra-T-Shirt. Maximal sechs Personen kommen bei dieser Surschule auf einen Guide. Das hatte doch schon deutlich anders erlebt. Eindeutig ein gutes Zeichen und Qualitätsmerkmal. Es ist Freitag im November und so ist der Strand fast menschenleer. Eine herrliche Ruhe, nur mein Herz schlägt schon etwas lauter. Ich und meine Frau hatten schon erste Erfahrungen im Surfen gemacht. Wir wissen schon, was uns in etwa erwartet. Für eine Freundin ist Surfen komplettes Neuland. Sie hätte das Meer prinzipiell nicht so gern, gesteht sie dem Surflehrer. Aber jetzt steht sie hier. Nach dem Aufwärmen, einem kurzen Training im Trockenen des Take-Offs, also des Aufstehens am Brett und den wichtigsten Sicherheitsregeln geht es gleich ins Wasser. Wir sind erstaunt: das Meer hat satte 19 °C, fühlt sich herrlich warm an. Auch die Außentemperaturen sind angenehm und der Himmel ist immer wieder strahlendblau mit Sonnenschein. Es kann also losgehen.

 

Die Wellen haben eine beeindruckende Kraft. Spätestens jetzt vergesse ich alles um mich herum. Wir paddeln im Weißwasser die gebrochene Welle an und lassen uns mitnehmen. Allein dieses Gefühl, wenn dich eine Welle mal so richtig mitnimmt, macht Riesenspaß. Gleich ab dem ersten Versuch. Später üben wir den Take-Off und es klappt schon erstaunlich oft. Nach gefühlten 30 Minuten, in Echtzeit ca. 2,5 Stunden müssen wir wieder aus dem Wasser. Ich geh noch einmal hinaus um meine letzte Welle für heute im Weißwasser zu stehen. Danach setzte ich mich ziemlich geschafft aber ziemlich glücklich an den Strand. Wir fragen unsere Anfängerin, ob es ihr gefallen hatte. Als Antwort grinst sie nur fröhlich und super-happy.

 

Geschlaucht aber mit einem angenehmen Gefühl fahren wir zurück. Wir machen uns ganz gemütlich frisch, gehen duschen und ziehen uns warme Kleidung an. Dann wandern wir in den nächsten Ort, nach Macas. Hier findet man im November fast keine Touristen mehr. Überhaupt wirkt alles sehr ursprünglich. Alte und neue Häuser geben sich die Klinke. In einem kleinen Supermarkt decken wir uns mit Nudeln und Getränken für den Abend ein. Ein weiteres Mal fällt uns auf: die Portugiesen sind sehr, sehr freundlich. Nicht diese gespielte Freundlichkeit, die man als Tourist oft empfindet. Nein, einfach nur nett. Wir kochen gemeinsam, checken übers Smartphone den Wetterbericht und entschließen uns, den nächsten Tag doch nicht mit Surfen zu verbringen. Kurzentschlossen geht es nach Lissabon.

Surfschulung
Surfwelle
Marktplatz

3. Tag, Ausflug nach Lissabon (8. November)

Wir fahren am Vormittag mit unserem Mietwagen die paar Kilometer zum Bahnhof in Sintra und von dort direkt mit der Bahn nach Lissabon. Die Fahrt dauert in etwa eine halbe Stunde. Lissabon ist ein Kapitel für sich. Eine wunderbare Stadt. Viel Flair, Multikulti, kleine Gässchen und tolle Bars. Wir spazieren zum Meer, flanieren in der Stadt. Mit der berühmten Straßenbahn 28 cruisen wir quer durch die Stadt. Shopping, Essen und Drinks stehen auf dem Programm. Wir besuchen die eine oder andere Bar und genießen die Stimmung des Samstag-Abends in den vielen Clubs und Pubs. Nach einem tollen, aber irgendwie anstrengenden Nachmittag und Abend fahren wir per Bahn wieder zurück nach Sintra. Wir fallen ins Bett. Ich schlafe ausgezeichnet und träume von den Wellen.

Felsen

4. Tag, Surfen in Cascais (9. November)

Heute geht es wieder ans Meer. Wie am ersten Surftag kommen wir wieder mit unserem „Surfshuttle“ an denselben Strand. Das Wetter ist ausgezeichnet und so tummeln sich an diesem Sonntag geschätzte 300 Surfer aller Könnens-Stufen im Wasser. Die Bedingungen sind unbeschreiblich gut, nahezu perfekt. Die Wellen sind gleichmäßig und sanft brechend aber kraftvoll. Kein Wunder, dass auch die besten Surfer Portugals hier heute surfen. Das Wasser dampft mystisch. Unsere ganze Gruppe wird immer besser, ich stehe schon nahezu jede Welle im Weißwasser. Ein unbeschreibliches Gefühl. Auch meine Mitreisenden fühlen sich so richtig gut. Unwahrscheinlich wie schnell man beim Surfen Erfolgserlebnisse hat und wie es einen packt. Ich bin schon gänzlich frei von meinen Sorgen und denke nur mehr an die nächste Welle. Nach etwa drei Stunden lassen wir uns die Sonne ins Gesicht scheinen und es geht wieder zurück. Meine Frau und ich verbringen den Nachmittag gemütlich in The Lodge, unsere Freundinnen sehen sich den westlichsten Punkt Europas an. Als Sie zurückkommen, sind wir direkt neidisch auf die tollen Fotos …

5. Tag, Surfen in Cascais, der unglaubliche Moment (10. November)

Der letzte Tag vor der Abreise. Eigentlich ist das Wetter eher schlecht, der Himmel mit Wolken bedeckt, es regnet immer wieder. Wir gehen trotzdem surfen. Das heißt ich, meine Frau und eine Freundin. Die vierte im Bunde sieht sich lieber das schöne Städtchen von Sintra an. Ich nicht. Ich muss noch einmal ins Meer zu den Wellen. Bei Regen ziehen wir uns am Parkplatz um. Es ist ungemütlich und etwas kühl. Aber sobald wir im Wasser sind, ist alles vergessen. Wie am Vortag ist es im Meer sehr warm. Während die anderen wieder im Weißwasser ihren Spaß haben, darf ich heute mit dem Guide weiter hinaus paddeln. Es geht zu den grünen Wellen. Das heißt, ich versuche die Wellen zu surfen, bevor sie brechen. Ich bin etwas aufgeregt. Er erklärt  mir im Wasser, was zu tun ist, theoretisch. Die erste Welle kommt passend, der Guide schubst mein Brett ein wenig an und ich versuche aufzustehen. Es spült mich sofort wieder runter und ich muss erneut hinaus paddeln. Danach kommen die Wellen unregelmäßig und ich erwische keine so richtig. Als ich ihn frage, ob ich die nächste versuchen kann, meint der Guide nur, sie wäre zu hoch für mich.

Ich versuche es trotzdem. Ich paddle und paddle, spüre, wie die Welle mich mitnimmt und stehe auf. Und plötzlich ist es wie man sich den Himmel vorstellt. Es ist wie ein elektrischer Schlag: Felsenfest stehe ich auf der Welle, es geht steil bergab, hinter mir eine Mauer aus Wasser. Ich sehe nur noch grün und fühle mich absolut vollkommen. Diese Bild lässt mich seitdem nicht mehr los. Die Zeit scheint still zu stehen, für einen kurzen Moment holt das Leben Luft…

…nach Sekundenbruchteilen verschwindet mein Brett irgendwie unter meinen Füßen. Man nennt das „Nosedive“. Mit einer unglaublichen Geschwindigkeit komme ich im Wasser auf. Die Welle bricht über mir und es dreht mich unter Wasser, wirbelt mich herum, wie in einer Waschmaschine. Nach kurzer Zeit tauche ich wieder auf. Mit einem breiten Grinsen paddle wieder zum Guide. Er lacht mich an. Ich kann auch nicht anders und lache mit. Irgendwie spürt er, was mit mir soeben geschehen ist, dass sich was geändert hat. Ich paddle noch einige andere Wellen an, manche surfe ich schon ganz gut, bei anderen wirft es mich wieder ab. Aber jedes Mal ist das Gefühl unfassbar gut. Nachdem wir wieder aus dem Wasser raus sind und unsere Ausrüstung waschen, fällt mir erst der starke Regen auf. Ich könnte gar nicht mehr sagen, ob es schon die ganze Zeit regnet. Unser Guide verabschiedet sich von uns und sagt meiner Frau, sie solle auf mich aufpassen, ich sei jetzt süchtig! Natürlich nach Surfen. Und ja, er hat natürlich Recht!

 

Den Nachmittag verbringen wir ganz gemütlich in der Umgebung. Wir fahren mit unserem Wagen nach Sintra. Ein wunderschönes Städtchen. Leider bleibt uns die Zeit für Sightseeing nicht, aber unsere "Surf-Anfängerin" und selbsternannte „Sightseeing-Queen“ erzählt uns von den tollen, alten Bauwerken und schönen Gässchen. Wir besuchen eines der zahlreichen Restaurants. Zurück in The Lodge schlafe ich glücklich über den perfekten Tag sofort ein. In meinen Träumen finde ich mich auf den Wellen Portugals wieder.

Surfer
Sonnenuntergang

6. Tag, Abreise (11. November)

Morgens heißt es „früh raus aus den Federn“. Unser Flug geht um 08:00 von Lissabon. Ziemlich müde nehmen wir Abschied von The Lodge. Ich möchte gar nicht daran denken, wie lange es bis zu meinem nächsten Surf-Urlaub dauert. Aber ich fühl mich trotzdem unglaublich entspannt und frei. Es regnet etwas. Das macht uns den Abschied ein bisschen leichter. Die Rückreise ist genauso unkompliziert wie die Hinreise. Wir landen in München gegen Mittag und fahren mit unserem geparkten Auto nach Hause.

Doch auch jetzt zu Hause noch, taucht immer wieder die eine oder andere Welle in meinen Träumen auf …

Fazit

Portugal ist ein Mekka für Surfer. Es gibt unzählige Möglichkeiten und so findet man, fast egal zu welcher Jahreszeit, den geeigneten Spot. Die Guides und Infrastruktur ist von sehr hoher Qualität. Übrigens: man kann wirklich bei fast jedem Wetter surfen gehen und es macht ab der ersten Minute Spaß. Nur der Jänner und Februar sind nicht so richtig für einen Urlaub in Portugal geeignet. Jeder Portugiese den wir getroffen haben war sehr höflich und äußerst nett. Das Naturschutzgebiet Sintra-Cascais ist atemberaubend schön und eignet sich auch hervorragend für andere Outdoor- Aktivitäten wie Klettern, Mountainbiken, Wandern und vieles mehr. Auch im Hochsommer ist das Klima sehr angenehm. Von Sintra aus erreicht man Lissabon sehr schnell und einfach. Die Stadt ist überaus sehenswert und sprüht nur so vor Leben. The Lodge passt perfekt in das Bild, das wir von Portugal hatten: Vieles ist aktiv, frisch und neu, beruht aber auf einer sehr traditionellen und natürlichen Basis. Ideal für einen Aktivurlaub. Für uns ist eigentlich klar, dass wir noch einmal nach Sintra-Cascais reisen müssen: auf der Suche nach der nächsten Welle!   

Bestens informiert!

Tragt euch für unseren Newsletter ein
Robi
Mit unserem Newsletter seid ihr immer auf dem neuesten Stand!