Dean Potter

Es war im Jahre 2007 bei der Outdoor-Messe in Friedrichshafen. Ich bin dort im Zuge meines Praktikums unterwegs gewesen. Auf Infos zur Person Dean Potter bin ich zuvor oft in den vielen Kletter- und Bergsport-Magazinen gestoßen: Ein nahezu verrückter Free-Solo-Kletterer (Klettern ohne Sicherung) und Extremsportler. Und auch bei der Outdoor-Messe war Dean das große Highlight: Dreimal täglich „spazierte“ er mit Sicherung über die Köpfe der Besucher im Außenbereich, über eine Slackline! Am letzten Messetag sah ich ihn dann ganz nah. Er schlenderte mit einer Flasche Rotwein in der Hand von Stand zu Stand, offensichtlich auf der Suche nach einem Flaschenöffner. Zufällig hatte ich mein Schweizer-Taschenmesser eingesteckt – standardmäßig mit Flaschenöffner ausgestattet. Ich lief ihm nach und fragte, ob er denn einen Öffner benötige. Dean drehte sich um und freute sich. Er ist mir ziemlich groß in Erinnerung, mit sehr ruhigen, freundlichen Augen, einem ausgeglichenen Geist. Wir öffneten gemeinsam die Flasche. Daraufhin lud er mich ein, ihn zu seinem Interview, wohin er gerade unterwegs war, zu begleiten und den Rotwein mit ihm zu trinken. Aus irgendeinem unerklärlichen Grund verneinte ich. Oft habe ich noch darüber nachgedacht, warum ich nicht mitging und so Dean besser kennenlernte durfte. Zwei Stunden später ging Dean Potter noch einmal über die Menge der Besucher auf der Slackline, diesmal ohne Sicherung. Seitdem kann ich mich an die paar Minuten mit Dean erinnern, als ob es gestern gewesen wäre.

Vor einer Woche habe ich vom Tod Dean Potters in den Medien gehört. Ich las dabei über Dean als einen YouTube-Star, als einen, der mit seinem Hund Basejumpen ging. Von todesmutigen Aktionen, von waghalsigen Sprüngen. Das wird dem Menschen Potter nicht gerecht. Ich erinnere mich viel mehr an eine Filmszene aus „Am Limit“ von den Huber-Brüdern aus dem Jahr 2007. Ab etwa Minute 15 erklärt Dean bei seinem Gastauftritt, was Menschen antreibt, zu klettern. Es hat mich damals schon berührt und bekommt, angesichts Deans Unglück, jetzt noch einen viel größeren Stellenwert.

Dean Potter war einer der besten Free-Solo-Kletterer, der wahrscheinlich bedeutendste Slackline-Künstler, eine Basejump-Legende, ein ewiger Vorreiter im Extremsport, ein Ausnahme-Mensch. Er verunglückte am 16. Mai 2015 bei seinem letzten Basejump im Yosemite-Nationalpark. Er starb in Ausübung seiner Leidenschaft, seiner Obsession, seiner Bestimmung. 

Bildnachweis: Dean Potter [http://de.wikipedia.org/wiki/Dean_Potter#/media/File:Dean-Potter.jpg] am Filmfest St. Anton CC BY 3.0  [http://creativecommons.org/licenses/by/3.0/deed.de]

Am Limit

Der Trailer zum Film
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